Die Cheops-Pyramide (vorne) ist mit 146,49 Metern Höhe das größte der drei Steingräber. (Bild: © Marcello Bertinett)
Es gibt sie, ... nur wenige zwar, doch es gibt sie: Architekturfachbücher, die sich wie spannende Romane lesen. Sie sind so selten, weil der Stoff, aus dem die Seiten gesponnen sind, dazu geeignet sein muss, eine besondere Geschichte zu erzählen. Über charismatische Baumeister, spektakuläre Projekte, prägende Epochen, ungewöhnliche Materialien ... oder eben geheimnisumwitterte Bauwerke.
Bernhard Kerres: Cheops – In der Mitte der Pyramide 296 Seiten, 415 Abbildungen, 30 x 30 cm, Leinen gebunden, 68,00 Euro edition esefeld & traub , Stuttgart, 2018
Bernhard Kerres: Cheops – In der Mitte der Pyramide 296 Seiten, 415 Abbildungen, 30 x 30 cm, Leinen gebunden, 68,00 Euro edition esefeld & traub , Stuttgart, 2018
Eine faszinierende Zeitreise mit detektivischen Analysen
Die Cheops-Pyramide war fast 4000 Jahre das höchste Bauwerk der Welt (Bild: esefeld & traub)
Die Cheops-Pyramide war fast 4000 Jahre das höchste Bauwerk der Welt (Bild: esefeld & traub)
Gleich im Vorwort stellt Kerres denn auch selbstkritisch die Frage: Warum diesen Tausenden Publikationen mit diesem Werk noch eine weitere hinzufügen? Die Antwort gibt dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite – schlägt man es auf, begibt man sich auf eine faszinierende Zeitreise, verliert sich in detektivischen Analysen und stößt auf verblüffende Details. Es ist bemerkenswert, mit welcher Akribie, mit was für einer umfassenden Logik und einem oft atemberaubenden Spagat der Autor die Lücke zwischen Analyse und Theorie zu schließen versucht, um für Unerklärliches eine Erklärung zu präsentieren.
24 spannende Kapitel, die wie Zahnräder ineinander greifen
Gut strukturiert und mit 415 Abbildungen illustriert liest sich das Fachbuch spannender als so mancher Schweden-Krimi. (Bild: esefeld & traub)
Gut strukturiert und mit 415 Abbildungen illustriert liest sich das Fachbuch spannender als so mancher Schweden-Krimi. (Bild: esefeld & traub)
Der erste Teil befasst sich mit dem äußeren Bild der Pyramide – ihrer eigentlichen Funktion, der städtebaulichen Relevanz, der Statik und Struktur, der messtechnischen Kontrolle, der geometrischen Form(el) und schließt mit dem Geheimnis um die Zahl Pi.
Der zweite Teil entführt den Leser in das innere Gang- und Kammersystem, untersucht dessen Grundgerüst, durch Grabräubertunnel geht es vorbei an Luftschächten bis zur Königs- und Königinnenkammer und so ganz nebenbei wird dabei die Schwierigkeit der Mitte-Bestimmung in der Bauphase herausgestellt. Auf Seite 148 schließlich findet man sich in einem dramatischen Grabräuber-Szenario, das, anstatt mit Klischees zu spielen, sehr wahrhaftig und detailliert nachzeichnet, welche Tücken, Täuschungen und Fallen sich die Baumeister einfallen ließen, um die Grabstätte zu schützen und welche Abenteuer die Eindringlinge erfahren mussten. Spätestens ab hier ist man derart angefixt auf die in Teil 3 dargelegten Theorien zur Bauwerksanalyse und dem Pyramidenbau an sich, dass man sich zu ärgern und fragen beginnt: Warum habe ich Architektur und nicht Ägyptologie oder Archäologie studiert?
In der Mitte der Pyramide – des Rätsels ungelöste Lösung
Zahllose ungelöste Rätsel birgt insbesondere das Innere der Pyramide – dreidimensionale Schnittzeichnungen legen das Gamgsystem offen und erklären die Statik und Funktionen der Kammern, Gänge und Schächte. (Bild: esefeld & traub)
Zahllose ungelöste Rätsel birgt insbesondere das Innere der Pyramide – dreidimensionale Schnittzeichnungen legen das Gamgsystem offen und erklären die Statik und Funktionen der Kammern, Gänge und Schächte. (Bild: esefeld & traub)
»Das Buch ... trifft mit seinem Titel ins Schwarze. In der Mitte der Pyramide, dort befindet sich der Schlüssel zu seinen überraschenden und sehr plausibel klingenden Theorien. (...) Ein faszinierendes Buch von einem ausgewiesenen Kenner der Materie mit neuen und überzeugenden Ideen.« Dr. Ulrike Fritz, Ägyptologin