Architekten: Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt am Main
Mit dem Abschluss des zweiten Bauabschnittes verfügt das Freiburger Augustinermuseum über eine neue, angenehme Präsenz im öffentlichen Raum, exzellente Räume für die Graphische Sammlung und eine kleine, räumliche Pretiose: eine Wendeltreppe über elliptischem Grundriss windet sich vier Geschosse hoch.
Als 2010 der erste Bauabschnitt des Museumskomplexes nach dem Umbau der vielfach umgenutzten Kirche eröffnet wurde, beeindruckte die Fülle der Exponate, die in engen räumlichen Verhältnissen ausgestellt sind. Es ließ sich kaum ahnen, welchen Rang das gesamte Quartier einmal bekommen würde. Christoph Mäckler Architekten hatten 2001 das VOF-Verfahren für die Sanierung und den Umbau des gesamten Augustinermuseums gewonnen. Die damaligen Pläne für den zweiten Baubschnitt, der jetzt fertig ist, wurden mehrfach geändert, zuletzt, als ein neues Erschließungskonzept funktional sinnvoll erschien.Bauen als Präzisionsarbeit
Links: Augustinerplatz: Zugang zum 1. Bauabschnitt – Augustinermuseum –, der 2010 eröffnet wurde. Rechts: Salzstraße: Zugang zum 2. Bauabschnitt – Haus der Graphischen Sammlung. Die zweiteilig wirkende Gebäudekonstellation ist innenräumlich ein Haus. Linkerhand des Neubaus schließt ein Altbau an, dessen Umnutzung in den zweiten Abschnitt gehört. Hier wird in Kürze ein Museumsshop eröffnet. (Bilder: Ursula Baus)
Ausstellung und Sammlung
Im ersten Obergeschoss des Neubaus bietet ein Saal über quadratischem Grundriss mit verschieblichen Wänden und Lichtgräben in der Decke beste Ausstellungsvoraussetzungen. Geplant sind drei Ausstellungen pro Jahr – lang dürfen graphische Kunstwerke aufgrund ihrer Empfindlichkeit ohnehin nicht ausgestellt werden. Deswegen gibt es hier auch kein Tageslicht. In der Eröffnungsausstellung mit Werken von Hans Baldung-Grien sind die Wände in dunklem Grün gestrichen; für die Folgeausstellung mit Werken der Künstlerin Susanne Kühn wird sich der Raum mit weißen Wänden bereits anders zeigen. Der Enge der gesamten Situation begegneten die Architekten mit schön proportionierten Räumen.
Ornament
Bleibt die Frage, wie der Neubau, der wie zwei nebeneinander gestellte Häuser aussieht, im Straßenraum seine Wirkung entfaltet. Wenn die Anlieferungsseite eines Museums – generell wegen Lkw-tauglichen Einfahrtstoren eine Rückseite – an eine stark benutzte, idyllische Innenstadtstraße gelegt werden muss, ist die Not groß. Nun inszenierten die Architekten die Einfahrt als Tor im klassischen Sinn, was ein straßenraumverträglicher Coup ist, von "Rückseite" kann hier jedenfalls keine Rede sein. Über dem Tor eine Symmetrie mit fast fensterloser Fassade zu gestalten, ist Teil dieses Coups. Gestört wird die Symmetrie nur durch ein kleines Kastenfenster im Erdgeschoss, wo der technische Leiter des Hauses seinen Arbeitsplatz hat. Daneben geht es um die Inszenierung des Hofzugangs – auch die geriet mit einem geschützten Außenraum sehr einladend.
Über die Anmutung des Ornaments an der geschlossenen Fassade lässt sich indes mal wieder trefflich streiten. Tom Vanderbuilts Untersuchung "You May Also Like: Taste in an Age of Endless Choice" erschien 2016 auf Deutsch mit dem Titel: "Geschmack. Warum wir mögen, was wir mögen". Eine klare Antwort hat der Autor nicht. Zurück nach Freiburg: Die Fassade, die mit goldenen Lettern in einem Putzfeld vor ein Buchstabenrätsel ("Augustinermuseum" in senkrechter Lesart) stellt und in einem Steinrelief das "Haus der Graphischen Sammlung" erkennen lässt, hat weder ein zeitgenössische, noch eine zeitlose Anmutung, sondern erinnert an die verhaltene Ornamentik der 1950er Jahre. Ist es nur eine Geschmacksfrage, welche zeittypische Ästhetik an einem Neubau anklingt? Etwas mehr Courage für ein ornamentales Experiment, mit dem die Architektur die Gegenwart erreicht hätte, wäre dem Ort und der Graphischen Sammlung gewiss angemessen gewesen.
Haus der Graphischen Sammlung
Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau
Salzstraße, 79098 Freiburg im Breisgau
Bauherr
Stadt Freiburg im Breisgau, Gebäudemanagement
Architekten
Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt am Main
Projektleiter Jochen Eberle, Nadja Hellenthal
Bauzeit 2013-2016
BGF 2.730 qm
Kosten 15,78 Mio Euro