Die Abreißerei muss ein Ende haben, Abbrechen abbrechen, Abrissatlas und Abrissmoratorium – es gibt inzwischen zahlreiche Appelle, Petitionen, Initiativen, die den Bestandserhalt fordern. Die Ausstellung The Great Repair in Berlin zeigt aber, dass wir noch gründlicher die Fundamente hinterfragen müssen, auf denen wir das Bauen, das Wirtschaften und das Zusammenleben organisieren, wenn sich etwas wirklich ändern soll. Dem gehen wir nur zu gern aus dem Weg, weil wir ahnen, dass die große Reparatur eine enorme Kraftanstrengung werden wird.
Widerspruch provozieren
In die Tiefe gehen
Es ist sehr begrüßenswert, dass die „Große Reparatur“ sich nicht damit zufriedengibt, ein wenig Symptome zu behandeln und statt dessen in die Tiefe der Kulturpraktiken vordringt, dorthin, wo sie das mörderische Wirtschaftssystem stärken. Ein Umsteuern, so wird Besuchenden suggeriert, ist auch deswegen bislang so wenig erfolgreich, weil genau diesen Tiefenbohrungen meist so beharrlich aus dem Weg gegangen wird. „Das vorherrschende Narrativ einer grünen, wachstumsorientierten Transformation verspricht, die Klima- und Ressourcenkrise allein mithilfe technologischer Innovation in den Griff zu bekommen. Solche Visionen mit ihrem Effizienz- und Konsistenzversprechen sind im Grunde Technofixes, die das extraktive Paradigma nicht überwinden. (...) Es hat sich nämlich gezeigt, dass die verschiedenen 'smarten' Lösungen oft gut mit unterschiedlichen Formen des staatlichen und unternehmerischen Konservatismus kompatibel sind“, wie es in der Sprache der Kurator:innen heißt. Es soll möglichst lange so weitergehen wie bisher. Die Ausstellung zeigt, dass im Rahmen unseres aktuellen Lebensstils, mit den geschlossenen Augen vor Vergangenheit und Ungerechtigkeit keine große Reparatur gelingen wird. Es überrascht dann nur etwas, wie vorsichtig mit dieser These umgegangen wird. Denn die „brüchigen Zwischenräume im Bestehenden“, von denen es im Rahmen der Ausstellung heißt, dass in ihnen das Reparieren beginnen könne, drohen uns bereits zu verschlingen. Begonnen haben wir doch schon. Im Kleinen. Wie aber kommt man vom Reparieren zum "großen Reparieren"? 1
Narben pflegen
Es wird nicht leicht
The Great Repair
Bis zum 14. Januar 2024 in Berlin in der Akademie der Künste, Hanseatenweg. >>>
Künstlerische Leitung: Florian Hertweck, Christian Hiller, Markus Krieger, Alexandra Nehmer, Anh-Linh Ngo, Milica Topalović
Projektträger: ARCH+ gGmbH
Kooperationspartner: Akademie der Künste, Berlin; Departement Architektur der ETH Zürich; Faculté des Sciences Humaines der Universität Luxemburg
Über die Ausstellung findet sich weitere Information auf einer eigens eingerichteten Internetseite >>>
Zur Ausstellung erschienen zwei Ausgaben der Zeitschrift arch+, eine dient der theoretischen Einführung >>>, eine zweite stellt die in der Ausstellung präsentierten Arbeiten vor >>>
- 1Alle Zitate von der Internetseite "The Great Repair" >>>