Remise im Innenhof
Hybridkonstruktion mit vielen Vorteilen
Zu zwei Seiten schließt der Neubau an den Bestand an, nach Westen blieb nur eine kleine Fuge, geöffnet haben die Architekten deswegen den Bau ausschließlich zur Südseite – das aber richtig. Große, geschosshohe Verglasungen sorgen für viel Licht; jedes zweite Fensterfeld erhielt ein Schiebeelement. Der Innenausbau wurde schlicht, reduziert und elegant gehalten. Glas, Holzmöbel und -einbauten, das weiße Geländer vor den Fenstern – und dann eben das Holz und der Beton der unverkleideten Tragkonstruktion.
Diese Hybridkonstruktion wurde gewählt, weil sie sich in der Summe aller relevanten Einzelaspekte – Bauzeit, Lebensdauer, Energiebilanz – als die günstigste erwiesen hatte. Die Wände sind als tragende Elemente in Sichtbeton vor Ort gegossen worden, in freigehaltene Aussparungen wurden die vorgefertigten Deckenträger aus Kiefernholz eingelegt, auf die zuerst eine Holzplatte gelegt und dann eine Betonschicht aufgetragen wurde – der Fußboden des darüberliegenden Geschosses. Die Fassade wurde mit Lärchenholz bekleidet. Und diese Fassade prägt den Neubau zum Hof hin und gibt ihm bei aller Strenge des Rasters eine wohltuende Freundlichkeit. Das gilt genauso für das Innere: Der Wechsel aus Sichtbeton und den Holzflächen der Decken, Balken und der Fassade sorgen für die Balance aus Wärme und rohem Loftambiente, die die Klientel, die als Mieterschaft infrage kommt, schätzen dürfte. Nicht noch in weitere Oberflächenschichten zu investieren, spart natürlich auch Kosten. Wenn sich das in der Miete niederschlägt, dürften die Nutzerinnen und Nutzer dieses schönen neuen Inlays auch nichts dagegen haben.
Ort: Immanuelkirchstraße 26, Berlin-Prenzlauer Berg
Bauherrschaft: Suwelack SHC GmbH, Billerbeck
Architektur: Jan Wiese Architekten mit Ralf Wilkening Architekt
Projektleitung: Lukas Beer
Projektteam: Alisa Joseph, Pedro Hamon, Hannah Knittel, Luisa Schäfer, Annett Schneider, Christoph Seibt, Aaron Schedler, Jean-Baptiste Bernard, Matic Cerin
Tragwerksplanung: fd-ingenieure, Berlin
TGA: Ingenieurbüro Dr. Specht, Berlin
Holzbau: Kai Vater Zimmerei und Holzbau GmbH & Co. KG, Lutherstadt Wittenberg
BGF: 655 qm
Baukosten (KG 300 und 400): 1.500.000 €
Fertigstellung: 2020
Fotograf: Simon Menges
Aufstockung in der Maxvorstadt
Nicht nur, weil es praktisch ist
Doch es waren ja auch ausdrucksstarke Räume gewünscht. Zur Straße, nach Norden hin, ist die Aufstockung zurückhaltend gestaltet, werden die Räume über Dachflächenfenster belichtet. Nach Süden, zum Hof hin aber zeigt sich, wie die Architekten die Wünsche der Bauherrschaft umgesetzt haben: Mit einer bewegten, topografisch verstandenen Raumabfolge, die Innen und Außen miteinander verschränkt, die Durchblicke und Querbezüge schafft und die Gebäudetiefe erlebbar macht. Daraus entwickelte sich eine lebendige Außenansicht mit Vor- und Rücksprüngen, in der Breite variierenden Sturz- und Brüstungsbändern, freien und überdachten Außenbereichen. Wahrlich ausdrucksstark.
Die Innenräume werden vom Holz dominiert, auf dessen atmophärische Wirkung das Materialkonzept zugeschnitten ist. Der Eichenboden ist weiß geölt, der Galerieeinbau mit abgetöntem Weiß gestrichen, abgestimmt auf das weiß lasierte Birkenholzfurnier der Regalwand, der Kücheneinbauwand und den raumhohen Schiebeelementen, mit denen sich die Küche von Wohnraum und Diele abtrennen lässt. Auch andere Materialien wurden weitgehend ohne Anstriche verwendet: Der Beton der Giebelwand, der schwarze Edelstahl für Geländer, der Jura, mit dem die Ablagefläche der Küche belegt wurde, die sich als Sitzbank und schließlich Sideboard ins Wohnzimmer fortsetzt. Eine Galerie sorgt dafür, dass der Dachraum über die Länge des Gebäudes genutzt werden kann. Kein Wunder, dass diese Aufstockung schon nach knapp dreißig Jahren gewünscht war.
Ort: Maxvorstadt, München
Bauherrschaft: Privat
Architektur und Innenausbau: POOL LEBER ARCH, München, Isabella Leber, Martin Pool
Mitarbeit: Valéria Polakovicová, Johannes Sailer, Joanna Tomaszewska
Tragwerksplanung: Lieb Obermüller, München
Brandschutz: Fire und Timber, München
Bauphysik: Hansen Ingenieure, Wuppertal
HLS: Haas und Holler, München
ELT: Zausinger GmbH, München
Holzbau: Zimmerei Frank, München
BGF gesamt: 2.169 qm
Wohnfläche Aufstockung: 568 qm
Fotografie: Brigida González