Uralt und unverändert aktuell – Ziegel verleihen der Sehnsucht nach Beständigkeit Ausdruck. Aber auch angesichts der Diskussionen über Nachhaltigkeit haben sie Konjunktur. Ziegel sind wartungsarm, man kann sie wiederverwenden, sie haben ein handliches Maß und bieten eine Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten, gleich für welche Aufgabe. Wir stellen fünf aktuelle Beispiele vor: in Altenberg, Bochum, Berlin, Kusterdingen und Frankfurt
Haus Altenberg
Strukturelle und architektonische Neuformulierung des „Haus Altenberg“
Altenberger-Dom-Strasse 31, 51519 Odenthal
Bauherr: Erzbistum Köln / Generalvikariat
Architektur: gernot schulz : architektur GmbH, Köln
BGF: 12.140 qm
Projektkosten: ca. 39 Mio. €
Ausschreibung und Bauleitung: H+P Bauingenieure, Köln
Tragwerksplanung + Brandschutz: Kempen Krause Beratende Ingenieure, Köln
TGA: ZWP Ingenieur-AG, Köln
Bauphysik: Schwinn Ingenieure, Bonn
Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum
Zu den Seiten der Kirche schließt sich in der Breite des Hauptschiffes nach Süden der etwas mehr als 900 Zuhörer fassende Konzertsaal der Bochumer Symphoniker an, der ihnen bisher gefehlt hatte. Im Norden wurde ein flexibler Multifunktionssaal angefügt. Dank eingeschossiger Übergangsbereiche zwischen der Kirche und den Sälen tritt der Altbau gemäß seiner ursprünglichen Funktion eigenständig in Erscheinung.
Die Fassaden der neuen Bauten sind aus hell geschlämmten, eigens produzierten terrakottaroten Ziegeln. Sie zeigen das Neue an, ohne sich vollständig vom Alten zu distanzieren: Auch die Marienkirche ist aus Backstein. Die neuen Türen und Fensterrahmen aus patiniertem Kupfer, präzise in die überwiegend geschlossenen Fassaden gesetzt, fügen sich ausgezeichnet in diesen Dialog aus Alt und Neu.
Das Innere der Marienkirche bildet nun das Foyer des neuen Musikzentrums, das über den freistehenden Chor betreten werden kann. Der Kircheninnenraum ist in einem strahlenden Weiß neu inszeniert worden. Der Blick auf die Ziegelfassaden des Altbaus ist im Innern sowohl an dessen Westseite als auch in den Vorbereichen der Konzertsäle möglich, dort sind an den Wänden auch die neuen Ziegel wiederzufinden; die Korrespondenz zwischen Bestand und Erweiterung wird so ein weiteres Mal variiert.
Bauherr: Stadt Bochum Zentrale Dienste, Bochum
Architekten: Bez+Kock Architekten Generalplaner Gesellschaft mbH, Stuttgart
Bauleitung Sanierung Kirche: Architekturbüro Bernhard Mensen, Münster
Bauleitung Musikforum: Stein Architekten, Köln
Tragwerksplanung: Mathes Beratende Ingenieure GmbH, Leipzig
TGA: Ingenieurbüro für technische Gebäudeausrüstung Henne & Walter, Reutlingen
Elektroplanung: GBI Gackstatter Beratende Ingenieure GmbH, Stuttgart
Akustik / Bauphysik / Szenografie: Müller-BBM GmbH, Planegg mit Kahle Acoustics, Brüssel; The Space Factory, Lyon; itv, Berlin
Wohnhaus am Prenzlauer Berg
Die Ziegelbekleidung wurde über die gesamte Fläche gezogen. Sie wechselt ohne Überstände oder Rücksprünge die Richtung, verläuft über die Dachkante und bedeckt noch den Boden der Dachterrasse. Die Aluminiumfenster, unregelmäßig über die Fläche verteilt, sind flächenbündig in die Fassade gesetzt und verstärken damit den Eindruck des klar geschnittenen, geschlossenen Baukörpers.
Für die Fassade haben die Architekten die Farben der umliegenden Häuser aufgenommen und daraus eine Palette von sechs Tönen erstellt, in denen die Ziegel gebrannt wurden: weiße, gelbliche, orange, braune, rosafarbene und graue Steine wechseln einander ab. Gezielt wurden Brand- und Lagerspuren erzeugt und belassen. Eine aufgebrachte Schlämme vereinheitlicht den Fassadeneindruck wieder in Maßen. Für die geneigten Flächen wurden eigens angeschrägte Steine produziert, auch die Ecksteine sind Sonderanfertigungen.
Bauherr: privat
Architekten: Barkow Leibinger, Berlin; Frank Barkow, Regine Leibinger; Andreas Lang (Projektleitung)
Bauleitung, Ausschreibungs- und Objektüberwachung: BAL Bauplanungs und Steuerungs GmbH, Berlin
Tragwerksplanung: HHT-Bauingenieure Ingeniurgemeinschaft für Tragwerksplanung + Baukonstruktion GbR, Berlin Klima- und Energiekonzept: Müller-BBM GmbH, Berlin
Haustechnik, Elektroplanung: HDH GmbH, Berlin
Fassadenplanung: Dipl.-Ing. (TU) Karl Hügerich GmbH, Berlin
Firstwald-Gymnasium in Kusterdingen
Das Gymnasium wurde als dreigeschossiger Bau mit einem über die ganze Gebäudehöhe offenen Atrium konzipiert. Dieses Atrium ist gemeinsames Zentrum im Schulalltag, kann aber ebensogut für Aufführungen und Gemeinschaftsveranstaltungen genutzt werden. Im Erdgeschoss liegen entsprechend dieser Konzeption die Räume der Mensa, Bücherei und der Musiksaal, im 1. Obergeschoss Klassen- und Gruppenräume, darüber die Fachräume, der Lehrerbereich sowie die Verwaltung.
In das klare Volumen sind Eingänge und überdachte Bereiche eingeschnitten, die teilweise wie asymmetrische Trichter ins Innere führen beziehungsweise vom Inneren auf das Außen öffnen. Die Materialeien wurden an jeder Stelle in höchster Sorgfalt und Präzision ausgewählt, eingesetzt, detailliert und verarbeitet: Sichtbetonflächen und Holzoberflächen, ein Kautschukboden in Terrakottaton innen, Ziegel und Holzfenster außen. Die hellrot eingefärbten Fugen wie verputzte Fensterbänder sind, passend zum Stein, in einem einheitlichen Ton gehalten. Die Verblendziegel im Normalformat sind mit einer werkseitig aufgebrachten hellen Engobe versehen, was den erdigen Charakter der Fassade verstärkt. Im Erdgeschoss ist die Fassade mit horizontalem Relief versehen.
Bauherr: Schulstiftung der Ev. Landeskirche in Württemberg, vertreten durch Daniel Wágner, Stuttgart
Architekten: KLUMPP + KLUMPP Architekten, Prof. Hans Klumpp, Julia Klumpp, Stuttgart
BGF: 3.810,00 Quadratmeter
BRI: 19.200,00 Kubikmeter
Baukosten (KG 100-700, brutto): 9.539.000,00 €
Oskar Residence in Frankfurt
Ein niedrigerer Zwischenbau vermittelt zum anschließenden Wohnungsbau, in dem sich 20 Eigentumswohnungen befinden und der durch einen hellen Ziegel vom roten Turm abgesetzt wurde. Mit zurückgesetztem Dachgeschoss, stehenden Fensterformate und symmetrischem Mittelrisalit mit Loggien wirkt er eigenständiger, als es die Entstehungsgeschichte vermuten lässt, entspricht aber im Habitus sicher der wohlhabenden Klientel, die nun hier wohnt.
Bauherr: Oskar Grundbesitz GmbH & Co. KG
Architekten: Stefan Forster Architekten Frankfurt am Main; Projektleitung Axel Hess
Wohnfläche: 6.730 Quadratmeter
BGF: 8.810 Quadratmeter
BRI: 26.700 Kubikmeter