Eines der großen Ziele von CDU und CSU im Bundestagswahlkampf 2025 war es, das Gebäudeenergiegesetz zu überarbeiten. Als „ideologisch“ wurde es gebrandmarkt, es wurde polemisiert, Politiker seien in die Heizungskeller der Menschen eingedrungen, bereitwillig wurden populistische Schlagzeilen der Boulevard-Presse übernommen. Doch wo stehen wir im April 2026? Eine Einordnung.
Gut drei Jahre später, an jenem 9. März 2012, sagt die zuständige Staatssekretärin im Bundesumweltministerium nun im Plenarsaal des Bundestages: „Die Industrie muss sich unabhängig behaupten.“ In der Folge werden die Förderungen zurückgefahren, der jährliche Zubau von Solarstromanlagen geht von über 8.000 Megawatt auf unter 2.000 Megawatt zurück, fünf Jahre später kommt der Ausbau der Windkraft an Land nahezu vollständig zum Erliegen, rund 75.000 Arbeitsplätzen in der Solarbranche fallen weg.[3] Verantwortlich für die Gesetzesnovelle ist Bundesumweltminister Peter Altmaier von der CDU und mit ihm eben jene Staatssekretärin: Katherina Reiche, ebenfalls CDU.
Altmaier, Habeck, Reiche
Zentrale Neuerung der am 19. Oktober 2023 verkündeten Novellierung ist die sogenannte „65-Prozent-Regel“, die vorschreibt, dass jede neu installierte Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Weitere bedeutende Modifikation ist die Verknüpfung des GEG mit dem parallel verabschiedeten Wärmeplanungsgesetz (WPG). Diese Verzahnung bedeutet, dass die „65-Prozent-Regel“ für Bestandsgebäude erst nach Vorlage einer kommunalen Wärmeplanung in Kraft tritt. Großstädte mit über 100.000 Einwohnenden müssen ihre Wärmepläne bis Mitte 2026 vorlegen, kleinere Städte bis Mitte 2028. Das ermöglicht es Eigentümer:innen von Bestandsgebäuden, ihre Investitionsentscheidungen auf der Grundlage konkreter Informationen über zukünftige Wärme- oder klimaneutrale Gasnetze zu treffen. Neubauten in Neubaugebieten sind von dieser Übergangsfrist ausgenommen und müssen die 65-Prozent-Regel bereits ab dem 1. Januar 2024 erfüllen. Um diese Regel zu erfüllen, stehen den Bürger:innen verschiedene Optionen zur Verfügung: der Anschluss an ein Wärmenetz, die elektrische Wärmepumpe, Solarthermie, Biomasse-Heizungen oder wasserstofffähige Gasheizungen. Dennoch lässt sich Reiche zu populistischen Falschaussagen wie „Schluss mit dem Zwang zur Wärmepumpe“[8] hinreißen. Dass es diesen Zwang nicht gibt: Nebensache.
Vermeintliche und tatsächliche Technologieoffenheit
Denn Kernstück der von ihr angestoßenen erneuten GEG-Reform ist die vollständige Streichung der „65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht“ (§§ 71–71p GEG). Suggeriert wird so, dass Öl- und Gasheizungen eine Zukunft hätten. Dabei ist Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu sein, bis 2030 sollen die Emissionen um 65 Prozent sinken.[12] Gelingt das nicht, drohen der Bundesrepublik empfindliche Strafzahlungen. Zudem soll der Rechtsanspruch auf Netzanschluss für Erneuerbare-Energien-Anlagen in „kapazitätslimitierten Gebieten“ aufgehoben werden und Entschädigungszahlungen für abgeregelten „Phantomstrom“ gestrichen werden, wenn das Netz den Strom nicht aufnehmen kann. Beides wendet sich vor allem gegen die Dezentralität des Stromnetzes, das sich durch die Förderung kleiner und kleinster Netze und Anlagen in Ansätzen zu etablieren schien. Wo Ministerin Reiche eine „ehrliche Energiewende“ mit Technologieoffenheit propagiert, könnten abermals eine Kostenfalle für Verbraucher:innen und der Wegfall von Arbeitsplätzen drohen.
Nicht zuletzt der Iran-Krieg führt derzeit schmerzlich vor Augen: Nicht die Energiepreise haben sich erhöht, sondern die Preise für fossile Energieträger wie Öl und Gas; die für Strom aus Wind, Wasser und Sonne sind davon gänzlich unbenommen. Reiche aber, so scheint es, macht recht unverblümt Politik für die großen Fossil-Energieunternehmen. Dass sie selbst bis zum Wechsel ins Bundeswirtschaftsministerium die Geschäftsführung der „Eon“-Tochter „innogy Westenergie“ innehatte, nachdem sie zwischen 2015 und 2019 Hauptgeschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen war, wirft da zumindest Fragen auf.
Die Rechnung zahlen wir
De facto opfert die Regierung so Freiheit für fossile Ideologie. Denn ganz konkret wird der Umstieg auf erneuerbare Energien langfristig die Menschen entlasten, ganz unideologisch; und quasi nebenbei wird so auch etwas für die Gesamtenergiebilanz getan. Ein bestehendes Einfamilienhaus, immer noch die weitest verbreitete Wohnform hierzulande, lässt sich mit Photovoltaikanlage und Wärmepumpe so bewirtschaften, dass es den Bewohnenden eine tatsächliche finanzielle Entlastung einbringt. „2024 lag unser Gaspreis bei 7,9 Cent, da kamen wir auf circa 1.500 Euro plus Kaminkehrer und Wartung“, so ein Hauseigentümer aus dem südhessischen Darmstadt. Mit einer Photovoltaikanlage mit 18 Kilowatt Spitzenleistung in Ost-West-Ausrichtung und einem 10kWh-Akku hat sich das dramatisch geändert. „Wir heizen der Kinder wegen auf mollige 21 bis 22 Grad, Spülmaschine und Waschmaschine laufen täglich,“ so der Hausbesitzer, der Wärmepumpe, Brauchwasserwärmepumpe und Entkalkungsanlage in Eigenleistung für unter 10.000 Euro in den Bestandsbau eingebaut hat. Dank Einspeisevergütung von rund 500 Euro haben sich die Energiekosten im Zeitraum vom 1. März 2025 bis zum 1. März 2026 auf rund 300 Euro reduziert. Eine Reduzierung um mehr als 1.200 Euro im Vergleich zu 2024. Und das für ein Haus Baujahr 1959/60 mit gut 110 Quadratmetern beheizter Wohnfläche.
Hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen an der Straße von Hormus dürfte sich der Gaspreis mittelfristig nicht verringern, seit Anfang des Jahres läuft die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten Schritt für Schritt aus[14], was das Heizen mit Öl und Gas perspektivisch zusätzlich teurer macht. Mit diesen Kosten werden Hausbesitzer:innen und Mieter:innen alleingelassen, die 1.000 Euro Entlastungsprämien sind da, selbst wenn sie ausgezahlt werden, nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
[1] „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Rechtsrahmens für Strom aus solarer Strahlungsenergie und zu weiteren Änderungen im Recht der erneuerbaren Energien“: https://dserver.bundestag.de/btd/17/088/1708877.pdf; Seitenaufruf 13.04.2026
[2] „2000–2010: starkes Wachstum durch EEG; 2010–2020: Kosten fielen, Deutschland Exportmarktführer“: https://pvprosolar.de/geschichte-der-solarenergie-in-deutschland/; „The country’s solar power market was kick-started with the Renewable Energy Act (EEG) in the year 2000: The number of solar panel producers and service companies skyrocketed, as investors rushed to reap the benefits of the large-scale“: https://www.cleanenergywire.org/factsheets/solar-power-germany-output-business-perspectives#:~:text=The%20country's%20solar%20power%20market%20was%20kick%2Dstarted,to%20reap%20the%20benefits%20of%20the%20large%2Dscale; https://de.wikipedia.org/wiki/Solar_Valley; Seitenaufruf 13.04.2026
[3] https://www.photovoltaik-angebotsvergleich.de/photovoltaik-blog/articles/altmaier-knick-wie-politische-entscheidungen-die-energiewende-bremsten.html; https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/nach-insolvenz-solarfirma-sovello-kuendigt-allen-mitarbeitern-11862827.html; Seitenaufruf 13.04.2026
[4] https://taz.de/Reform-des-Heizungsgesetzes/!6157775/; Seitenaufruf 13.04.2026
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Geb%C3%A4udeenergiegesetz; https://www.ksk-immobilien.de/wissen-ratgeber/lexikon/enev/; Seitenaufruf 13.04.2026
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Geb%C3%A4udeenergiegesetz; Seitenaufruf 13.04.2026
[7] https://kpmg-law.de/ampel-verzahnt-gebaeudeenergiegesetz-mit-der-kommunalen-waermeplanung/; Seitenaufruf 13.04.2026
[8] https://www.merkur.de/wirtschaft/reiche-verwirft-zwang-zur-waermepumpe-habecks-vorgaben-im-ministerium-ausgemustert-zr-93740295.html; Seitenaufruf 13.04.2026
[9] „Die bereits Ende 2024 stark gestiegene Nachfrage bei der Heizungsförderung wird im 1. Quartal 2025 mit einem Plus von 35 % beim Wärmepumpen-Absatz begleitet.“ https://www.tga-fachplaner.de/meldungen/marktdaten-2025-q1-waermepumpen-absatz-ist-um-35-gestiegen; Seitenaufruf 13.04.2026
[10] „Wärmepumpen legten um 55 % zu und hatten einen Marktanteil von 47 %.“ https://www.tga-fachplaner.de/meldungen/marktdaten-2025-1hj-waermeerzeugerabsatz-sinkt-um-22; Seitenaufruf 13.04.2026
[11] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/china-waermepumpen-100.html; Seitenaufruf 13.04.2026
[12] https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/archiv-bundesregierung/klimaschutzgesetz-2021-1913672#:~:text=*%20English.%20*%20Fran%C3%A7ais; Seitenaufruf 13.04.2026
[13] https://www.sueddeutsche.de/politik/entlastungen-spritpreise-koalition-union-spd-li.3466885; Seitenaufruf 13.04.2026
[14] https://www.dehst.de/DE/Themen/EU-ETS-1/EU-ETS-1-Informationen/Reform-Perspektiven/Schutz-vor-carbon-leakage/schutz-vor-carbon-leakage_node.html; Seitenaufruf 13.04.2026