Wir brauchen Social Design, weil es so bedrückend wenig alltäglich ist, weil so beängstigend viel fehlt. Der zweite Grund für das Unbehagen, das die Ausstellung auslösen kann, hätten die Kuratoren bedenken können. In der Einführung zur Ausstellung wird davon berichtet, dass auch im Social Design Projekte scheitern – aber dennoch richtungsweisend seien. In der Ausstellung selbst freilich werden nur Erfolgsgeschichten erzählt, das zumindest potenzielle Scheitern allenfalls in den Zwischentönen zu erahnen, etwa wenn von den Hoffnungen auf bessere Finanzierungsmodellen des Hamburger Fab Labs
Fabulous St. Pauli die Rede ist. In dieser Werkstatt können mittels 3D-Druckern und anderen Werkzeugen Dinge selbst unter Anleitung hergestellt werden, die es nicht oder nicht mehr gibt, Ersatzteile für defekte Haushaltsgeräte zum Beispiel: eine Open Source Werkstatt, das sich auch an Menschen mit geringem Einkommen richtet und dagegen arbeitet, dass sich viele Dinge der Wegwerfgesellschaft nicht mehr reparieren lassen sollen. Bei anderen Projekten ist schlichtweg zu wenig darüber zu erfahren, wie sich tatsächlich bewährt haben und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben, an welchen bürokratischen Hindernissen, an welchen Hürden sie scheitern können. So weiß man die Projekte schwer einzuschätzen, erfährt wenig über ihre Grenzen, ihre Weiterentwicklung, das, was man aus ihnen lernen könnte, anstatt sie lediglich zu bewundern. Es hätte dem beeindruckenden Engagement all derer, denen wir das verdanken, was die Ausstellung zeigt, keinen Abbruch getan, sondern die Notwendigkeit von Social Design noch mehr unterstrichen, als es die Ausstellung ohnehin tut.