Haus Pahde, Köln-Rodenkirchen, 1972, Foto von 2020. (Bild: Constantin Meyer)
So ganz überraschend ist es nicht: Junge Architektinnen und Architekten interessieren sich wieder für die Bauten von Heinz Bienefeld. Das Deutsche Architekturmuseum DAM hatte sich deshalb dazu entschlossen, wieder eine Ausstellung über den aus Krefeld stammenden Einzelgänger zu machen, der sich keiner Richtung so recht zuordnen lässt. Zu eigensinnig und eigenwillig ist sein hauptsächlich aus Wohnhäusern und einigen Kirchen bestehendes Werk.
Pfarrkirche St. Bonifatius, Wildbergerhütte-Reichshof, 1978-81. (Foto: Lukas Roth)
Pfarrkirche St. Bonifatius, Wildbergerhütte-Reichshof, 1978-81. (Foto: Lukas Roth)
Haus Babanek, Brühl, 1991-95, Foto von 2020 (Bild: Constantin Meyer)
Haus Babanek, Brühl, 1991-95, Foto von 2020 (Bild: Constantin Meyer)
Niedergeschlagen hat sich diese Detailversessenheit in einem riesigen Konvolut Zeichnungen: Hier darf sich der Ausstellungsgast an sorgfältig ausgewählten Exponaten erfreuen, Tusche, Bleistift, Konstruktions- und Entwurfszeichnungen, auch Kohlezeichnungen werden gezeigt. Dass letztere an Gottfried Böhms Zeichnungen erinnern, ist kein Zufall: Bienefeld hatte auch bei ihm gearbeitet und bei dessen Vater Dominikus studiert.
Besondere Einblicke
Haus Wilhelm Nagel, Wesseling-Keldenich, 1966-70 Arbeitsmodell aus Wachs, 1966. (Foto: Simon Keckeisen)
Haus Wilhelm Nagel, Wesseling-Keldenich, 1966-70 Arbeitsmodell aus Wachs, 1966. (Foto: Simon Keckeisen)
Opéra de la Bastille, Paris, 1983 (nicht realisiert), Wettbewerbsmodell, 1983. (Bild: Simon Keckeisen)
Opéra de la Bastille, Paris, 1983 (nicht realisiert), Wettbewerbsmodell, 1983. (Bild: Simon Keckeisen)
Dass sich inzwischen wieder Architektinnen und Architekten für Bienefelds Werk interessieren, liegt aber wahrscheinlich weniger am Interesse an dessen Arbeitsweise als vielmehr daran, dass die große Stararchitektur mit ihren riesigen Gesten keine Vorbilder mehr liefert Die Herausforderungen der Zeit nötigen dazu, sich wieder mehr damit zu beschäftigen, wie eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit den Ausdrucksmitteln der Architektur jenseits des vermeintlich großen Wurfs gelingen kann. Anspruchsvolle Bescheidenheit ist angesagt. Dass das Material, dem sich Bienefeld verschrieben hatte, auch hinsichtlich Langlebigkeit und deswegen auch hinsichtlich Nachhaltigkeit vorbildlich ist, sieht man auf den Fotos von Constantin Meyer, die er für die Ausstellung von ausgewählten Bauten 2020 gemacht hat. Sie zeigen die Architektur Bienefelds auch nach Jahrzehnten noch in einem prächtigen Zustand.
Ausstellungsansicht. (Bild: Moritz Bernoully)
Ausstellungsansicht. (Bild: Moritz Bernoully)
Antike radikal. Häuser und Kirchen von Heinz Bienefeld.
Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main, bis zum 26. September >>>
Zur Ausstellung ist ein von Philipp Sturm und Peter Cachola Schmal herausgegebener Katalog erschienen, er ist im Museumsshop für 15 € erhältlich.