Infolge der Enthüllungen im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein sind auch der Pritzker-Preis für Architektur und mit ihm vor allem Stiftungsvorsitzender Thomas J. Pritzker in die Schlagzeilen geraten. Hat der „Nobel-Preis der Architektur“ noch eine Zukunft? Ein Kommentar.
Zunächst bemerkenswert ist, wie über den Fall berichtet wird. Die Autorin Karin Hartmann wies in der „Zeit“ darauf hin, dass der Name Thomas Pritzker in 2.454 Dokumenten der Epstein-Files auftaucht.[5] Wie viele Dubletten dabei sind, ist unklar, dass der Name dort zu lesen ist, ist aber aus mindestens zwei – auch strafrechtlichen – Gründen relevant. Wenn aber beispielsweise der Journalist Nikolaus Bernau im Südwestrundfunk betont, es gelte auch hier die Unschuldsvermutung[6], ist das mindestens eine Verkennung der Faktenlage.
„Die Scham muss die Seiten wechseln“
Thomas Pritzker nämlich hielt die Freundschaft zu Epstein auch nach dessen Verurteilung 2008 aufrecht. Epstein war damals wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen angeklagt, entging aber einem Bundesverfahren wegen sexueller Gewalt an Minderjährigen, in dem er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft in Miami schloss, die den Opfern jedoch nicht bekannt war und der sie nicht zustimmten.[10] Ein bis heute nicht lückenlos aufgeklärtes und in sich abermals skandalöses Verfahren.
Der Verdacht: Vergewaltigungen und Kriegstourismus
Was folgt nun aus all dem für die bis dato immer wieder als wichtigsten Architekturpreis der westlichen Welt umschriebene Auszeichnung? In die Kritik geraten war der Pritzker-Preis für Architektur schon seit längerem, weil er das Individuum hervorhob, wo doch Architektur eine gemeinschaftliche Kulturpraxis ist: Die ausgezeichneten Architekten und Architektinnen bauen die Häuser ihres Werks schließlich nicht allein. In die Planung und Fertigstellung jedes einzelnen Gebäudes sind viele Menschen eingebunden, für die Entstehung eines prämiertes Œuvres ist somit nie nur eine Person allein verantwortlich. Auch dass vor allem Männer mit dem Pritzker-Preis geehrt wurden, ist seit geraumer Zeit berechtigter Kritikpunkt. Wie sehr Frauen dabei benachteiligt wurden und werden, ist wohl an kaum einem Jahrgang so prägnant ablesbar, wie 1991: Robert Venturi (1925–2018) erhielt den Preis damals für ein Werk, das maßgeblich in Zusammenarbeit mit seiner Frau und Büropartnerin Denise Scott Brown entstand. Venturi selbst nannte Scott Brown seine „inspirierende und gleichberechtigte Partnerin“. Angeblich aber, so die Verantwortlichen damals, sehe die Satzung keine Verleihung an ein Paar oder Team vor. Als mit Jacques Herzog und Pierre de Meuron zehn Jahre später zwei gleichberechtigte Partner ausgezeichnet wurden, ließen sich diese konstituierenden Einschränkungen freilich leicht ändern.
Hat der Pritzker-Preis eine Zukunft?
Zum anderen gilt es, die Auszeichnung von ihrem Namen zu lösen. Wer möchte einen Preis überreicht bekommen, die den Namen von Thomas Pritzker trägt, einem Mann, der derart intim mit einer Person wie Jeffrey Epstein umgegangen ist? Die Enthüllungen der Machenschaften jener global agierenden Gruppe Überreicher rund um Epstein könnte auch hier etwas in Bewegung bringen. Dazu gelte es aber vor allem, die in den Skandal verwickelten Personen unabhängig von ihrem Reichtum und Status juristisch zur Rechenschaft zu ziehen und den Überlebenden und verstorbenen Opfern wie Virginia Roberts Giuffre wenigstens ansatzweise so etwas wie Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
[1] https://newrepublic.com/article/63912/eyes-the-prize; Seitenaufruf 23.02.2026
[2] Siehe auch: https://de.scribd.com/document/348779875/Pritzker-Prize; https://aadzign.com/the-pritzker-architecture-prize/; https://kureansiklopedi.com/en/detay/pritzker-architecture-prize-d0858; Seitenaufruf 23.02.2026
[3] Vrgl. u.a.: https://newrepublic.com/article/63912/eyes-the-prize; https://scholarworks.uni.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1843&context=hpt; https://www.usmodernist.org/barnes-1989-koerble.pdf; https://en.wikipedia.org/wiki/Pritzker_Architecture_Prize; Seitenaufruf 23.02.2026
[4] „Hyatt Announces Thomas J. Pritzker Retires as Executive Chairman and Will Not Seek Re-Election to Board of Directors; Mark S. Hoplamazian Assumes Combined Role of Chairman of the Board and Chief Executive Officer“: https://newsroom.hyatt.com/021626-Hyatt-Announces-Thomas-J-Pritzker-Retires-as-Executive-Chairman-and-Will-Not-Seek-Re-Election-to-Board-of-Directors-Mark-S-Hoplamazian-Assumes-Combined-Role-of-Chairman-of-the-Board-and-Chief-Executive-Officer; Seitenaufruf 23.02.2026
[5] „In 2.454 Dokumenten der Epstein-Files wird Thomas Pritzker namentlich erwähnt, viele stammen aus der Zeit nach der Verurteilung Epsteins als Sexualstraftäter“; https://www.zeit.de/feuilleton/2026-02/jeffrey-epstein-pritzker-hyatt-architektur-preis; Seitenaufruf 23.02.2026
[6] Nikolaus Bernau im Gespräch mit Christian Batzlen im SWR: https://www.swr.de/kultur/kunst/pritzker-preis-tom-pritzker-epstein-akten-architektur-100.html?mediaId=7424c1d6-336c-3e6e-bb9d-9a1f1412ac63&; Seitenaufruf 23.02.2026
[7] Vrgl. Podcast „Apokalypse & Filterkaffee Presseclub: Epstein – ein Unsittengemälde“ mit Markus Feldenkirchen (Host), Julia Amalia Heyer (Spiegel), Kerstin Kohlenberg (Zeit) und Daniel Laufer (paper trail media): https://open.spotify.com/episode/03UMnnybjkK1y0MbXNe7AW?si=168296dd35134f80; Seitenaufruf 21.02.2026
[8] https://www.bbc.com/news/articles/cev1zn214x2o
[9] Gisèle Pelicot im Interview mit „Die Zeit“: https://www.zeit.de/feuilleton/literatur/2026-02/gisele-pelicot-eine-hymne-an-das-leben-vergewaltigung-avignon-prozess/komplettansicht, Seitenaufruf 23.2.2026
[10] Vrgl. Podcast „Apokalypse & Filterkaffee Presseclub: Epstein – ein Unsittengemälde“; wie Anm. 7
[11] https://www.wienerzeitung.at/a/mit-boys-with-toys-in-afghanistan, Seitenaufruf 23.2.2026
[12] Vergl: u.a.: https://www.amc.af.mil/Sandbox/Group-Activity/Eligibility/; https://myarmybenefits.us.army.mil/Benefit-Library/Federal-Benefits/Space-Available-Travel-(Space-A-Travel)?serv=128; https://dodsoco.ogc.osd.mil/Portals/102/450056p.pdf; https://www.esd.whs.mil/portals/54/documents/dd/issuances/dodd/450056p.pdf; Seitenaufruf 23.2.2026