Ein denkmalgeschütztes Bauwerk, ein baukulturell nicht gerade ambitionierter Eigentümer und eine Stadt, die ihre Chancen und Verantwortungen nicht erkennt: Der Strandbahnhof im traditionsreichen und inzwischen sogar „mondänen“ Travemünde offenbart einmal mehr, welchen Schaden fehlendes Interesse und fehlende Pflege anrichten.
Der Strandbahnhofsturm ist ein Wahrzeichen Travemündes und denkmalgeschützt. Doch das scheint nichts mehr zu bedeuten. Oben der Zustand 2008, unten: 2026, Bilder: Wilfried Dechau
Der Strandbahnhofsturm ist ein Wahrzeichen Travemündes und denkmalgeschützt. Doch das scheint nichts mehr zu bedeuten. Oben der Zustand 2008, unten: 2026, Bilder: Wilfried Dechau
Die sanierte Bahnhofshalle, als solche noch genutzt, im Jahr 2008, Bild: Wilfried Dechau
Die sanierte Bahnhofshalle, als solche noch genutzt, im Jahr 2008, Bild: Wilfried Dechau
1991 wurde das Bahnhofsgebäude einschließlich Uhrenturm unter Denkmalschutz gestellt. 2006 wurde das Gebäude aufwändig saniert. Die Kosten (2,3 Millionen Euro) teilten sich DB, Bund, Hansestadt Lübeck, Land Schleswig-Holstein, Possehl-Stiftung und der Gemeinnützige Verein Travemünde. 2012 wurde das hundertjährige Bestehen noch mit einer Sonderausstellung in Herrenwyk gefeiert.
Der Bahnhof wurde zum Trödelmarkt. Innen durfte ich 2026 nicht fotografieren, die Bahnhofshalle ist jetzt „privat“, Bild: Wilfried Dechau
Der Bahnhof wurde zum Trödelmarkt. Innen durfte ich 2026 nicht fotografieren, die Bahnhofshalle ist jetzt „privat“, Bild: Wilfried Dechau
Die Stadt bedauert, nicht mitgeboten zu haben
Doch von da an ging’s bergab. 2015 kündigte die Bahn den Verkauf des Gebäudes an. Begründet wurde er mit der (angeblich) schlechten Lage und der damit verbundenen Schwierigkeit, Mieter für Läden und Restaurants zu finden. Ein Lübecker Pilot hat das Gebäude ersteigert. Er gab an, das Gebäude gastronomisch nutzen und Mieter für Läden suchen zu wollen. Die Hansestadt Lübeck hatte es noch nicht einmal für nötig befunden, überhaupt ein Gebot abzugeben. Und bedauert im Nachhinein, nicht mitgeboten zu haben. Eigentlich: ein Skandal.
Seitdem verlottert das Gebäude. Die Bahnhofshalle wurde zum Trödelmarkt, und vor dem Eingang stehen Klamotten-Ständer und Leihfahrräder herum. Und die Bahn setzt noch eins drauf, indem sie das zweite, nicht mehr benutzte Gleis seit Jahren verwildern lässt. Seit beinahe zwanzig Jahren habe ich den Niedergang des Bahnhofs fotografiert. Die nicht mehr funktionierende Abfahrtsanzeige setzt dem Ganzen nun die Krone auf. Um fünf Minuten vor zwei Uhr sagt die Anzeige, der nächste Zug nach Lübeck fahre um 20.24 Uhr. Das ist natürlich Quatsch. Die Anzeige ist einfach stehen geblieben. Und niemand fühlt sich dafür verantwortlich. Ein Trauerspiel.
Der Strandbahnhof ist in Betrieb. Pflege? Sauberkeit? Aufenthaltsqualität? Fehlanzeige! Schon 2008 war das aufgegebene Gleis verlottert, Bild: Wilfried Dechau
Der Strandbahnhof ist in Betrieb. Pflege? Sauberkeit? Aufenthaltsqualität? Fehlanzeige! Schon 2008 war das aufgegebene Gleis verlottert, Bild: Wilfried Dechau