Buchempfehlungen: Neuerscheinungen über die Stadt als unbestimmtes Wesen, Suburbia und den öffentlichen Raum. Und eine Liebeserklärung
“Stadt gibt es nicht!”
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Andri Gerber, Stefan Kurath (Hg.): Stadt gibt es nicht!
Unbestimmtheit als Programm in Architektur und
Städtebau. Band 44 der Reihe Grundlagen
Dom Publishers, Berlin, 2016, 28 €
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Gebietstypen, an denen die begrenzte Wirksamkeit von Planung gerne illustriert wird …
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Johann Jessen, Frank Roost (Hg.): Refitting Suburbia.
Erneuerung der Stadt des 20. Jahrhunderts in Deutschland und in den USA
Jovis Verlag Berlin, 2015, 32 €
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Die Publikation “Demo:polis” rückt in den Mittelpunkt, was jenseits aller Unterschiede zwischen Städten, Gebietstypen und Quartieren als konstituierend für städtische Qualität gilt: der öffentliche Raum.
Dem wird dadurch Ausdruck verliehen, dass der öffentliche Raum als ein Recht postuliert wird. Die Publikation ist der Katalog der Ausstellung, die bis Ende Mai in Berlin zu sehen war. Unabhängig davon, ob man die sie gesehen hat oder nicht, ist das Buch zu empfehlen. Zum einen, weil die Mischung aus groß- und kleinmaßstäblichen Projekten, aus Gestaltung und strategischen Ansätzen, aus Kunstaktionen und Protestbewegungen Potenziale und Bedeutung dessen illustriert, was behauptet wird: dass der öffentliche Raum zu wichtig ist, als dass man ihn auf eine abgeschlossene Sammlung von Szenarien reduzieren und die Methoden, ihn zu nutzen und zu aktivieren, begrenzen könnte. Zum anderen, weil es eine gut ausgewählte Serie von Essays erlaubt, die Auseinandersetzung mit dem Thema zu vertiefen. Bestätigt wird so, was die beiden oben vorgestellten Publikationen bereits nahegelegt haben: dass die sorgfältige Beobachtung zur Voraussetzung gelingender Planung gehören muss, dass diese Planung sich stets neu auf ihr Umfeld und die Bedingungen einstellen muss, unter denen sie agiert – und dass zu diesen Bedingungen gehört, dass Stadt von all ihren Bewohnern und Nutzern gestaltet wird.
—Barbara Hoidn (Hg.): Demo:polis.
Das Recht auf Öffentlichen Raum.
Park Books, Zürich, 2016, 48 €
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Unser Bild von Kairo ist geprägt von den Protesten des Tahrir-Platzes, die eine Diktatur beendeten, um dann in eine neue zu münden.
Wir stellen uns eine der wuchernden Megastädte vor, mit Verkehrschaos, Dichte, Armut, Segregation. Eher unwahrscheinlich, dass uns unwillkürlich ein Stadtzentrum mit einem wertvollen architektonischen Erbe aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Sinn kommt. Doch es gibt es – und genau diesem Erbe ist “Descovering Downtown Cairo” gewidmet. Gemeinsam mit Studierenden, unterstützt von Forschern mit Spezialkenntnissen, haben Vittoria Capresi und Barbara Pampe 38 Gebäude der Innenstadt untersucht. Sie werden dem Leser vorgestellt: in Plänen, Fotos, in Beschreibungen sowie in Zitaten von Bewohnern und Nutzern. Ihre Entstehung, ihre Geschichte, ihr heutiger Zustand werden dokumentiert, ergänzt durch allgemeine Texte zu Geschichte, Baupolitik und Haustypen. Das älteste der 38 vorgestellten Häuser ist von 1900, das jüngste von 1961, Leitbilder des Historismus, des Expressionismus und des International Style prägen sie, mitunter finden sich an ihnen Motive regionalspezifischer Architektur – dass dem europäischen Reisenden die Innenstadt Kairos sehr vertraut vorkomme, wie die Herausgeberinnen meinen, ist nachvollziehbar. Vier Rundgänge schlagen sie dem Besucher vor, um dieses Kairo zu entdecken. Zwar stehen manche der untersuchten Häuser leer, andere sind heruntergekommen, aber sie sind durchdrungen von einer Mischung von Vitalität, Pragmatismus und Vielfalt. Das Buch sei eine Liebeserklärung an die Stadt, so die Herausgeberinnen. Man fühlt, dass das Buch nur ein Abglanz dessen sein kann, was diese Stadt ausmacht. Aber der Abglanz lässt ahnen, was den eigentlichen Glanz ausmacht.
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Vittoria Capresi, Barbara Pampe (Hg.): Discovering Downtown Cairo.
Architecture and Stories
Jovis Verlag, Berlin, 2015, 32 €
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Christian Holl Rezensionen: Städte und Stadtplanung