Wohnungsnot? Zwei Millionen Wohnungen stehen leer
Föderalismus – Grundgesetz und Bürgerferne
Sowohl die geschichtliche Genese der Republik als auch ihre gegenwärtige politische Verfasstheit, die mit Bundestag und Bundesrat einer Zentralisierung von Macht aus guten Gründen entgegenwirken muss, sprechen dafür, dass die polyzentrische Entwicklung eine Hauptaufgabe der nächsten Jahrzehnte wird. Die Bundesstaatlichkeit ist im Grundgesetz verankert, gerät aber gerade in der Steuerung von Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern immer wieder in abstruse Schieflagen. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung, 20./21. Mai 2017) beklagte, dass die Länder mehr und mehr abhängig vom Bund werden, der immer mehr Macht an sich reiße und zentralisiere. Damit, so Heribert Prantl, steige aber auch die Bürgerferne, was sich in den Bereichen Stadt- und Infrastrukturentwicklung nur bestätigen lässt.
Angebot und Nachfrage steuern
So hätte es die Bauwirtschaft gern: Bauen, bauen, bauen. Man kann aber den banalen Teufelskreis von Angebot und Nachfrage unter die Lupe nehmen und schauen, wie zum Beispiel die Nachfrage gesteuert und das Angebot besser genutzt werden könnte. Leerstehender Bestand, von dem wir hierzulande wahrlich genug haben, ließe sich sinnvoll um- und nachnutzen, außerdem vernetzen, um die Lebensqualität flächendeckend zu stärken. Man erhöht schlagartig das Angebot, sodass die Nachfrage besser befriedigt werden kann. Ohne immer wieder Neubauland auszuweisen.
Donut und Krapfen: eine strategische Skizze der Bundesstiftung Baukultur (Bild: BSBK)
Es geht auch anders
Hier stellt sich bereits die individuelle Aufgabe für Klein- und Mittelstädte: Sie müssen für den Alltag mit ansprechenden Stadträumen, ordentlichen Schulen und Freizeitangeboten, guter und komfortabler Anbindung an den ÖPNV, ausreichendem Einzelhandelsangebot attraktiv bleiben. Moderne Arbeitsplätze, die nicht mehr ortsgebunden am produzieren Gewerbe hängen, dessen Mitarbeiter dank des Internet vielleicht nur drei statt fünf Tage mit Kollegen zusammentreffen müssen, Start-ups, die vielleicht nur ein Mal pro Monat in Konzernzentralen antanzen sollten – kurz: Vor allem die Digitalisierung bietet Chancen, dem Zentralisierungswahn entgegen zu wirken und den irren Wohnungsmarkt zu entlasten. So bieten die "Graswurzel-Initiativen" gute Beispiele: "Silicon Vilstal", Maker-Spaces aller Art in Bad Berleburg, Ettlingen, Korbach oder im Ostalbkreis, wo ein Unternehmen wie "Build'n'break" eine Anlaufstelle für einfallsreiche Start ups einrichtet. Ohnehin sitzen viele der deutschen Weltmarktführer abseits der Großstädte. Die Aufgabe für den Bund ist klar: Die flächendeckende Glasfaserverkabelung duldet keinen Aufschub. Aber alles andere müssen Kommunen und Städte mit maßgeschneiderten Konzepten in Angriff nehmen – ohne dass der Bund reinredet. Zum Beispiel neuerdings mit Millionen aus Angela Merkels Mobilitätsfond, der an die Anschaffung neuer Busse und mehr geknüpft ist, um auf Teufel-komm-raus Fahrverbote zu vermeiden. Viele Gemeinden könnten anders agieren – und die Verkehrsvermeidung vorantreiben.
Wir empfehlen inhaltlich auf Stadt und Bauen ausgerichtet:
Wahlcheck des Netzwerks Immovielien: http://www.netzwerk-immovielien.de/wahlcheck/
Und den Klassiker:
Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/254930/bundestagswahl-2017