Spätmoderne Alternative: Wohn- und Geschäftshaus Friedrichstraße 56, Modell: Peter Meyer, realisiert 1987 (© Berlinische Galerie, Digitalisierung: Anja E. Witte)
Spätmoderne Alternative: Wohn- und Geschäftshaus Friedrichstraße 56, Modell: Peter Meyer, realisiert 1987 (© Berlinische Galerie, Digitalisierung: Anja E. Witte)
Steht bereits unter Schutz: Friedrichstadtpalast, kurz nach Eröffnung 1984. Architekten: Manfred Prasser, Dieter Bankert, Walter Schwarz. (Foto: © Unbekannte FotografIn / Berlinische Galerie, Digitalisierung: Anja Elisabeth Witte)
Steht bereits unter Schutz: Friedrichstadtpalast, kurz nach Eröffnung 1984. Architekten: Manfred Prasser, Dieter Bankert, Walter Schwarz. (Foto: © Unbekannte FotografIn / Berlinische Galerie, Digitalisierung: Anja Elisabeth Witte)
Ost-West-Labor der Postmoderne
Peter Riemann: Konzept Südliche Friedrichstadt, Cornell Sommerakademie für Berlin, 1977 (© Peter Riemann)
Peter Riemann: Konzept Südliche Friedrichstadt, Cornell Sommerakademie für Berlin, 1977 (© Peter Riemann)
Rob Krier: Wohnanlage Ritterstraße Nord, 1977 (© Rob Krier-Archiv, Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main)
Rob Krier: Wohnanlage Ritterstraße Nord, 1977 (© Rob Krier-Archiv, Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main)
Rehabilitierung der alten Stadt: An dieser zentralen Frage aller postmodernen Debatten trafen sich die Tendenzen der 1980er Jahre in West wie Ost. Allerdings nur bei dieser Frage! Waren Formfragen in der DDR lange darauf gerichtet, „die klare, einfache und einheitliche Tektonik der industriellen Bauweise“4 vorteilhaft in Szene zu setzen, hatte sich ab den Siebzigern das Konzept industrieller Bauproduktion im seelenlosen Regiment der Plattenwerke festgefahren. Als Massenerscheinung waren die sperrigen „Erzeugnisse“ der Baukombinate unerträglich geworden, nach Alexanderplatz, Rathausstraße und Leipziger Straße schien selbst in der DDR-Hauptstadt das Gestaltungsrepertoire der Ostmoderne 5 ausgereizt. Zuerst von Soziologen und Kulturforschern, bald auch aus der Politik wurde nach Individualisierung der „gesichtslosen“ Serienprodukte gerufen. Und noch ein Problem wurde drängend: Was bei Standorten auf freiem Felde niemals Thema war, bekam für innerstädtische Architekturen auf einmal enorme Relevanz – der Kontext. Auch hier gab es zunächst konkurrierende Konzepte. Für die Repräsentationsvorhaben entlang Friedrichstraße und Gendarmenmarkt scheiterte die Denkmalpflege mit ihrem Wunsch nach originalgetreuen Nachbauten, dafür setzte sich die „Romantiker“-Fraktion um Manfred Prasser und Dieter Bankert durch, mit ihrem „irgendwie-historischen“ Design eröffnete sie den Weg in die Stadt als pittoreske Erlebniszone.
Die Berlinische Galerie ist noch geschlossen. Bilder vom Ausstellungsraum folgen. (© Noshe)
Die Berlinische Galerie ist noch geschlossen. Bilder vom Ausstellungsraum folgen. (© Noshe)
Sternstunde der Baukultur
Office for Metropolitan Architecture (OMA), Elia Zenghelis, Zoe Zenghelis: Wohnhaus am Checkpoint Charlie, 1987 (© Office for Metropolitan Architecture (OMA) / Elia Zenghelis / Matthias Sauerbruch)
Office for Metropolitan Architecture (OMA), Elia Zenghelis, Zoe Zenghelis: Wohnhaus am Checkpoint Charlie, 1987 (© Office for Metropolitan Architecture (OMA) / Elia Zenghelis / Matthias Sauerbruch)
Das ist es mir wert
- 1siehe dazu: https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Denkmalschutz_fuer_den_Gendarmenmarkt_7539723.html
- 2„Radikal modern – Planen und Bauen im Berlin der 1960er Jahre“, Katalog hrsg. von der Berlinischen Galerie im Ernst Wasmuth Verlag Berlin/Tübingen, 2015
- 3„Anything goes? Berliner Architekturen der 1980er Jahre“, Katalog hrsg. von der Berlinischen Galerie im Kerber Verlag Bielefeld, 2021
- 4So die dringende Empfehlung des Schweizer Architekten und CIAM-Mitbegründers Hans Schmidt, der von 1956 bis 1969 die Abteilung Theorie und Geschichte der Bauakademie in Ostberlin leitete.
- 5Vgl. Andreas Butter, Ulrich Hartung: Ostmoderne. Architektur in Berlin 1945-1965, Berlin 2004.
- 6Wer den beeindruckenden DEFA-Film „Die Architekten“ gesehen hat, wird hier die realen Bau-Vorlagen für dessen deprimierende Story finden.