Resort Erlenbad in Sasbach, Staatspreis Baukultur, Baden-Württemberg 2024, Anerkennung (Bild: Grossmann Architekten)
Resort Erlenbad in Sasbach, Staatspreis Baukultur, Baden-Württemberg 2024, Anerkennung (Bild: Grossmann Architekten)
Burda-Verwaltung, Offenburg, Egon Eiermanns Gebäude wurde von Ingenhoven Architects saniert. (Bild: Wikifree, Andreas Schwarzkopf)
Burda-Verwaltung, Offenburg, Egon Eiermanns Gebäude wurde von Ingenhoven Architects saniert. (Bild: Wikifree, Andreas Schwarzkopf)
Der von Grossmann sanierte Verwaltungsbau von Egon Eiermann; die Firmenschrift war und ist etwas zu groß geraten. (Bild: Ulrich Coenen)
Der von Grossmann sanierte Verwaltungsbau von Egon Eiermann; die Firmenschrift war und ist etwas zu groß geraten. (Bild: Ulrich Coenen)
Denkmalschutz, Abriss und zurück?
In Offenburg führten die Pläne Grossmanns allerdings ab 2021 zum Konflikt mit der Egon-Eiermann-Gesellschaft. Sein Konzept sah von Anfang an vor, auf dem Gelände der ehemaligen Kasino- und Sozialgebäude einen "Zwillingsturm" zu errichten.
Eiermann hatte das eingeschossige Kasino 1966 bis 1968 ergänzt. Es wurde allerdings (ebenso wie der Pförtnerbau) trotz Denkmalschutz vor dem Verkauf an Grossmann unerklärlicherweise abgerissen.
Die Stadt Offenburg begrüßte ausdrücklich Grossmanns Engagement für das dringend sanierungsbedürftige Verwaltungsgebäude. „Die als Bauantrag vorgelegte Planung ist nach gegenwärtigem Stand grundsätzlich bau- und denkmalrechtlich genehmigungsfähig“, erklärte Pressesprecher Florian Würth 2022. „Städtebaulich wird die Wiederaufnahme einer Nutzung positiv ausstrahlen“,
Judith Weinstock-Montag, die Vorsitzende der Eiermann-Gesellschaft, und die Kinder des Architekten, Andreas und Anna Eiermann als Inhaber des Urheberrechts, kritisierten das Projekt. „Nach den uns zugänglichen Projektunterlagen sind wir in großer Sorge und auch der Meinung, dass die geplanten Bau- und Sanierungsarbeiten, insbesondere die baulichen Anbindungen des Neubaus an den bestehenden denkmalgeschützten Bau, das Maß der Verträglichkeit und auch des rechtlich zulässigen überschreiten“, schrieb Weinstock-Montag an die Stadt Offenburg.
Eiermanns elegantes Verwaltungsgebäude ist ein fünfgeschossiges flachgedecktes Punkthaus über rechteckigem Grundriss mit innerem Kern aus Stahlbeton für die Erschließung mit Treppen und Aufzug, Sanitäreinrichtungen und einem Licht- und Luftschacht. Der Architekt hat das Gebäude für Großraumbüros konzipiert.
Die originalen Fenster des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Müller Stahlbau waren zum Teil verrottet und mussten aufwändig ergänzt werden. (Zustand Frühjahr 2022, Bild: Ulrich Coenen).
Die originalen Fenster des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Müller Stahlbau waren zum Teil verrottet und mussten aufwändig ergänzt werden. (Zustand Frühjahr 2022, Bild: Ulrich Coenen).
Immo Boyken hat darauf hingewiesen, dass dieses Gestaltungselement erstmals mit der Fassadengestaltung des Warenhauses Merkur in Reutlingen (1952) in Eiermanns Werk zur Ausführung gekommen sei. Die „Umgänge mit einem vorgehängten Netz von Stangenwerk“ hätten sich schließlich zu einem „Markenzeichen“ Eiermanns entwickelt.
Die „Bauwelt“ urteilt 1961 über Müller Stahlbau: „Das Gebäude steht in der Nachfolge des Eiermann Rufschen Brüssel-Pavillons und ist grob gesagt, deren ortsfeste und witterungsunabhängige Weiterbildung.“ Dennoch gibt es Unterschiede. Der Deutsche Pavillon von Eiermann und Sep Ruf für die Weltausstellung 1958 in Brüssel zeigt Umgänge wie in Offenburg. Durch den Verzicht auf eine Brüstung und bodentiefe Fenster wirken die Fassaden in Brüssel aber transparenter.
Typische Schäden am Weichholz nach sechs Jahrzehnten (Bild: Ulrich Coenen)
Typische Schäden am Weichholz nach sechs Jahrzehnten (Bild: Ulrich Coenen)
Eiermanns filigranen und prägenden Sonnenschutz an der Fassade hat bald nach der Fertigstellung der Wind zerstört. Ein wetterfester Ersatz wäre so massiv, dass er die Eleganz zerstört hätte. Grossmann hat deshalb auf Sonnensegel verzichtet.
In den Korridoren des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Müller Stahlbau blieben die älteren Trennwände zum Teil erhalten. (Bild: Ulrich Coenen)
In den Korridoren des ehemaligen Verwaltungsgebäudes Müller Stahlbau blieben die älteren Trennwände zum Teil erhalten. (Bild: Ulrich Coenen)
Eine Herausforderung sind bei Altbauten die gestiegenen Anforderungen des Brandschutzes. Die Deckenverkleidungen wurden deshalb entfernt und alle Stahlträger entsprechend behandelt.
Alt- und Neubau wurden auf drei Ebenen mit Stegen verbunden. Grossmann hat den zweiten Fluchtweg damit im Neubau nachgewiesen, um dem Baudenkmal den Anbau einer hässlichen Fluchttreppe zu ersparen.
Der fünfgeschossige Neubau ist städtebaulich klug gesetzt. Er orientiert sich in seinem Volumen am Bestand. Der Stahlbetonbau hat eine Lochfassade mit Wärmedämmverbundsystem erhalten und steht damit im bewussten Kontrast zur filigranen Architektur Eiermanns mit ihren Fensterbändern. Grossmann betont die Massivität der Wand. Der Zwillingsturm will dem Baudenkmal nicht die Show stehlen. Ursprünglich hatte Grossmann graue Klinker für die Fassade des Neubaus geplant. Auf diese wurde aus Kostengründen verzichtet.
Im Hinblick auf die Farbigkeit wirken die beiden Baukörper fast wie Positiv und Negativ. Den verschiedenen hellen Grautönen des Bestands stellt Grossmann eine Putzfassade in Anthrazit gegenüber. Im Erdgeschoss sind die beiden Gebäude durch einen eingeschossigen Trakt verbunden, in dem sich ein Sanitärgeschäft befindet. Die beiden Türme werden durch verschiedene Büros und Praxen genutzt, deren Flächen nach dem Wunsch der Mieter individuell gestaltet wurden.
Graffito im Foyer des sanierten Verwaltungsgebäudes (Bild: Ulrich Coenen)
Graffito im Foyer des sanierten Verwaltungsgebäudes (Bild: Ulrich Coenen)