Lageplan; das Gemeinde-, Kultur- und Bildungszentrum mit Kita soll am historischen Standort der Synagoge am Kottbusser-Ufer (heute Fraenkelufer) entstehen.
Lageplan; das Gemeinde-, Kultur- und Bildungszentrum mit Kita soll am historischen Standort der Synagoge am Kottbusser-Ufer (heute Fraenkelufer) entstehen.
Auf der Baustelle der Erweiterung des Bauhaus-Archivs, dessen Neubauteil von Staab-Architekten stammt und Mitte 2025 eröffnet werden soll, sprach Jürgen Tietz (JT) mit Volker Staab (VS) über den Entwurf für das jüdische Gemeindezentrum (https://www.staab-architekten.com/de/projects/5280-judisches-kultur-und-gemeindezentrum?t=competition).
Hauptbau der Synagoge, 1916 (Bild: Deutsche Bauzeitung)
Hauptbau der Synagoge, 1916 (Bild: Deutsche Bauzeitung)
VS: Am Rand des Geländes der historischen orthodoxen Synagoge von Alexander Beer, die 1938 bei der Pogromnacht schwer beschädigt und später abgerissen wurde, gibt es in den Resten des Altbaus bereits eine Synagogennutzung. Der Hauptbau der Synagoge befand sich allerdings in der Mitte des Grundstücks. Dieses Areal stand für das jüdische Gemeindezentrum zur Verfügung.
JT: Beer, der 1944 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurde, gehörte ja zu den bedeutenden Architekten in Berlin bis 1933. Er hat etliche Bauten für die jüdische Gemeinde verwirklicht. Aus einem traditionellen Architekturverständnis kommend, hat er in den 1920er-Jahren großartige Bauten der Moderne geschaffen wie die ehemalige jüdische Mädchenschule in Mitte und das ehemalige jüdische Altersheim in Schmargendorf.
VS: Seine Synagoge am Fraenkelufer war eher traditionell geprägt. Im Vorfeld gab es auch Diskussionen, ob sie rekonstruiert werden sollte oder ob etwas gänzlich Neues entstehen soll. Im Wettbewerb wurde das relativ offen formuliert, weil es sich beim Neubau nicht um eine klassische Synagoge handelt, sondern im weitesten Sinne um ein jüdisches Gemeinde- und Kulturzentrum mit einem Kindergarten.
JT: Wer ist der Träger des jüdischen Zentrums?
VS: Träger ist der Verein Jüdisches Zentrum Fraenkelufer (https://www.aufbruch-am-ufer.berlin/). Für unseren Entwurf waren dann verschiedene Aspekte ausschlaggebend. An erster Stelle ist das wie bei allen jüdischen Bauten leider immer noch oder auch wieder verstärkt die Problematik der Sicherheit. Auf dem Grundstück kam eine weitere Herausforderung hinzu, die jetzt den Charme unseres Entwurfs ausmacht, wie ich finde. Das Grundstück liegt in einem Block zwischen ehemals besetzten Häusern. Dort sind in den Brandwänden Balkone und Fenster entstanden. Der erste Reflex, wenn man das Baugrundstück sieht, wäre ja, an die Brandwände anzubauen und den Block zu schließen. Aber genau das geht dort nicht. Es sollte ein Abstand von rund 5 Metern zwischen dem Bestand und dem Neubau eingehalten werden. Dadurch entstehen aber unschöne Zwischenräume, die weder eine Aufenthaltsqualität noch einen Mehrwert für die Nachbarn darstellen würden. So haben wir das Prinzip umgedreht und immer dort ein Bauvolumen platziert, wo im Gegenüber bereits ein begrünter Innenhof vorhanden ist. Durch eingeschossige Flachbauten, die zum Teil nur überdachte Außenräume sind, werden diese Bauvolumen zu einem Ensemble zusammengebunden
Man betritt das Areal vom Fraenkelufer aus durch die Sicherheitsschleuse und gelangt in das Gemeindezentrum, das auch als Synagogenraum genutzt wird. Dahinter schließen sich weitere Gemeinderäume sowie der Kindergarten an. Es gibt eine überdachte Laube, der ein erster Hof folgt, der auch als Erweiterung des Gemeindesaals dienen kann. Sollte sich die Sicherheitssituation hoffentlich einmal ändern, dann könnte man den Kindergarten auch gesondert von der Kohlfurter Straße aus erschließen. Zwischen der Kita und dem Gemeindesaal liegt eine koschere Küche, von der aus die beiden Räume angedient werden können.
Grundriss Erdgeschoss (Abbildung: Staab Architekten)
Grundriss Erdgeschoss (Abbildung: Staab Architekten)
VS: Ja, ich freue mich auf diese räumliche Folge von Höfen und Lauben, den Gebäudevolumen und Gärten. Wir haben das zusammen mit Atelier Loidl geplant, von uns sehr geschätzten Landschaftsplanern. Es wird eine durchgrünte Anlage, die sich mit den Nachbarhöfen zu einem gesamten Block-Innenleben entwickelt.
Im Inneren des Gemeindesaales bestimmen Kappendecken den Raum, die nicht nur zur Reduktion der Betonstärken beiträgt, sondern auch eine eigene räumliche Qualität entwickeln. Zwischen Kappen und Fenstern schließt sich eine perforierte Zone an. Dort werden Glaszylinder eingelegt, was dem sakralen Charakter des Raums entspricht.
JT: Das Deckenmotiv spielt zudem an die preußischen Kappen an.
VS: Ja genau. Früher waren diese Kappen aus Ziegeln gemauert, jetzt sind es Betonfertigteile. Im abschließenden Raum unter dem Dach sollen die nach außen ablesbaren Kappen von dünnen Stahlstützen abgefangen werden.
Fassadendetails (Abbildung: Staab Architekten)
Fassadendetails (Abbildung: Staab Architekten)
VS: Wir fanden, das Haus muss etwas Mineralisches besitzen, etwas Festes für die Gemeinde und ihr Selbstverständnis. In der Tradition vieler Berliner Sakralbauten aber auch der Kreuzberger Innenhöfe bekommt das Material etwas Selbstverständliches etwas Dazugehöriges. Darüber hinaus erlaubt das Material einen monolithischen Wandaufbau, ohne eine zusätzliche Wärmedämmung
Bei der Fassade haben wir lange probiert und sind sicher noch nicht am Ende. Wir waren auf der Suche nach einer Silhouette, einer Zeichenhaftigkeit, die der Bedeutung des zentralen Baukörpers gerecht wird und auch eine gewisse Erinnerung an die zerstörte Synagoge von Beer erlaubt.
Modell (Bild: Staab Architekten)
Modell (Bild: Staab Architekten)
VS: Der Entwurf ist eher aus dem Ort entwickelt. Aber natürlich hat uns das Wissen um so manche jüdischen Themen geholfen.
JT: Wann wird der Baubeginn sein?
VS: Wir werden uns in der nächsten Woche treffen und dann soll es bald losgehen.
Auer Weber Assoziierte GmbH, Stuttgart mit grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner part mbb, Freising
D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH, Berlin mit Simons & Hinze Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin
DFZ | 2. Preis (Visualisierung: Leonard Mitchell)
DFZ | 2. Preis (Visualisierung: Leonard Mitchell)
FRÖLICHSCHREIBER Architekten GmbH, Berlin mit boye und bode Landschaftsarchitektur, Berlin
Georg Scheel Wetzel Architekten GmbH, Berlin mit Dietz & Partner Landschaftsarchitekten, Elfershausen (Anerkennung)
GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin mit Man Made Land GbR, Berlin
H|G Hähnig | Gemmeke Architekten & Stadtplaner Partnerschaft mbH, Tübingen
hope | 3. Preis
hope | 3. Preis
HPP Architekten GmbH mit +grün GmbH
Kuehn Malvezzi Associates GmbH, Berlin mit Atelier Le Balto, Berlin
Lorber Paul Architekten GmbH, Köln mit studio grüngrau GmbH, Düsseldorf
LXSY Le Roux Sichrovsky Architekten PartGmbB, Berlin mit Birgit Teichmann GmbH LandschaftsArchitektin, Berlin
Manuel Herz Architects, Basel mit Studio Vulkan, Zürich
Peter W. Schmidt + Assoziierte GmbH & Co. KG, Pforzheim mit FUGMANN JANOTTA PARTNER, Berlin (Anerkennung)
SCOPE GmbH, Stuttgart mit schöne aussichten landschaftsarchitektur Blank | Soyka PartGmbB, Kassel
Staab Architekten GmbH, Berlin mit LOIDL Landschaftsarchitekten, Berlin (1. Preis)
TSSB architekten, Dresden mit Blaurock Landschaftsarchitektur, Dresden
W&V Architekten GmbH, Leipzig/Berlin mit bbz Landschaftsarchitekten berlin GmbH, Berlin
Jury:
Sachpreisgericht
Andreas Geisel, Vertreter des Kuratoriums zum Wiederaufbau der Synagoge am Fraenkelufer, Berlin
Clara Herrmann, Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin
Dekel Peretz, Vorsitzender Jüdisches Zentrum Synagoge Fraenkelufer e.V., Berlin
Petra Kahlfeldt, Senatsbaudirektorin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berlin