Peter Faller 2002 in China. (Bild: Eberhard Wurst)
Peter Faller 2002 in China. (Bild: Eberhard Wurst)
Wohnungsbau war seine Passion. Mit neuen Typen suchte er schon früh Antworten auf die widersprüchlichen Erwartungen an den Wohnungsbau zu geben: die Qualitäten des Urbanen und die eines Eigenheims, die des Gemeinschaftlichen und die des Individuellen gleichermaßen zu erfüllen. Sie sind bis heute aktuell.
Der im südbadischen Lörrach geborene Peter Faller hat an der Technischen Hochschule Stuttgart von 1951 bis 1958 Architektur studiert und war dort anschließend Assistent bei Professor Rolf Gutbrod am Lehrstuhl für Innenraumgestaltung und Entwerfen sowie Mitarbeiter in dessen Büro. Noch vor der eigenen Bürogründung schlossen sich daran Aufenthalte in England an der Kingston-School of Art als Gastlehrer (1960/61) und als Visiting lecturer an der School of Architecture an der University of Virginia an, an der er 1975 zum Thomas Jefferson Professor in Architecture ernannt wurde.Begonnen hat Peter Fallers Laufbahn als Architekt mit einem fast unbekannten kleinen Einfamilienhaus „Eisbein“ in Stuttgart- Degerloch, das er in seinem Büro in Stuttgart plante. Das gemeinsame Architekturbüro gründete er 1965 mit Hermann Schröder und Claus Schmidt; 1977 kam Christian Muschalek hinzu. Peter Fallers Name ist untrennbar mit den „Hügelhäusern“ verbunden, der „Idee einer neuartigen Stadtlandschaft aus begrünten und bewohnten Hügeln“ (Faller), die jeder Architekturstudent und jede Architekturstudentin kennengelernt hat. Die Vision des Terrassenhauses als neuem Gebäudetyp mit privaten Freibereichen, die sich nach oben zu einem großen Stück des blauen Himmels öffnen, war aus gemeinsamen Projekten mit Hermann Schröder bereits nach dem Ende ihres Studiums entstanden und wurde nach und nach in verschiedenen Varianten realisiert.
Die Wohnanlage Schnitz in Stuttgart-Neugereut. (Bild: Martin Hahn, Wikimedia Commons, CC0)
Die Wohnanlage Schnitz in Stuttgart-Neugereut. (Bild: Martin Hahn, Wikimedia Commons, CC0)
Peter Faller mit Thomas Jocher, der ihm an der Universität Stuttgart nachfolgte. (Bild: Eberhard Wurst)
Peter Faller mit Thomas Jocher, der ihm an der Universität Stuttgart nachfolgte. (Bild: Eberhard Wurst)
Sein Einsatz als Praktiker in Wettbewerben, als Jurymitglied in insgesamt etwa 120 Preisgerichten zwischen 1977 und 2000 (meist als Vorsitzender) und als engagierter Hochschullehrer in Lehre und Forschung war immens. Seit Beginn seiner Tätigkeit forschte er weiter an den Ost-West-orientierten Hügelhäusern oder später an den Nord-Süd-orientierten sogenannten „Terrassenhäusern“. Die Ergebnisse seiner Überlegungen mündeten schließlich in der von der fördernden Wüstenrot Stiftung herausgegebenen und unter der wissenschaftlichen Mitarbeit von Eberhard Wurst erarbeiteten Publikation „Der Wohngrundriss“ (1996). Der viel beachtete „Wohngrundriss“ wurde wenige Jahre später (2002) in einer aktualisierten und erweiterten Ausgabe erneut aufgelegt und 2002 als wichtiges Lehrbuch auch noch ins Chinesische übersetzt! Die wichtigsten Ergebnisse daraus konnte er 2002 zusammen mit Eberhard Wurst auf einer Vortragsrundreise an vier chinesischen Hochschulen vermitteln.
Der humorvolle, fest in seinem altkatholischen Glauben verwurzelte Peter Faller war ein Menschenfreund. Auch nach seiner Emeritierung 1997 stand er uns und den Studierenden weiterhin jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Nun ist er kurz vor seinem 95. Geburtstag am 31. Dezember 2025 gestorben.
Am 1. Februar findet um 10 Uhr in der Alt-Katholischen Kirche St. Katharina in Stuttgart eine Gedenkfeier mit Gedenkrede statt.