Marktgeschrei (27) | Die Bundestagswahl wirft schon eine ganze Weile ihre Schatten voraus. Auf dem Wohnungsmarkt ist davon freilich wenig zu spüren. Oder sagen wir es so: Man kann nicht feststellen, dass den Mitgliedern der großen Koalition besonders daran läge, sich um die Sorgen der Mieter:innen zu kümmern. Doch die Ereignisse der letzten Wochen zeigen, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt nicht bessern wird, wenn die Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte nicht korrigiert wird.
Die Preise steigen weiter. In Stuttgart sind die Angebotsmieten 2020 um drei, in Frankfurt um fünf, in München um zwei Prozent gestiegen. Klingt moderat, aber angesichts des schon vorher hohen Niveaus ist das immer noch viel. Im Umland von Stuttgart waren es etwa in Reutlingen bis zu zwölf Prozent. So wie es im Moment aussieht, können sich die Menschen zumindest von den derzeit amtierenden Politiker:innen wenig erwarten. Im April hatten sich die Koalition schnell noch – und das reichlich spät – daran gemacht, eine Regelung zu den Share Deals zu treffen, weil es im Koalitionsvertrag ausgemacht worden war. Share Deals, dass ist kein direkter Verkauf von Immobilien, denn diese werden zuerst in eine Gesellschaft überführt, deren Anteile (Shares) dann verkauft werden. Erwirbt ein Käufer weniger als 95 Prozent dieser Gesellschaft, dann muss er keine Grunderwerbsteuer entrichten. Nach fünf Jahren kann der Käufer auch die restlichen Anteile der Gesellschaft kaufen, ohne dass dann die Grunderwerbsteuer bezahlt werden müsste. Das ist kein Steuersparmodell für die private Altersvorsorge, sondern eines der großen Unternehmen, die damit in den letzten Jahren den Staat um einige Milliarden Steuereinnahmen gebracht haben.
Bild: pixabay
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Eine Fusion und ein Skandal
Deutsche Wohnen und Vonovia besitzen in Berlin 150.000 Wohnungen. Der kommunale Wohnungsbestand beläuft sich auf 340.000. (Bild: pixabay)
Deutsche Wohnen und Vonovia besitzen in Berlin 150.000 Wohnungen. Der kommunale Wohnungsbestand beläuft sich auf 340.000. (Bild: pixabay)
Auch wie mit dem Skandal um die Pleite der German Property Group umgegangen wird, stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Politik. Ein Anlagebetrug allererster Güte. Für den Ankauf von Immobilien hatte die Gruppe Investitionen in Millionenhöhe von ausländischen Anlegern eingetrieben, Gewinnerwartungen der Anleger wurden mit den Investitionen von neuen gestillt; gebaut oder entwickelt wurde nicht. Seit 2020 ist die GPG insolvent – wohin die Investitionen nun verschwunden sind, sei unklar. Die Immobilien-Investmentgesellschaft ging 2008 aus einem Zusammenschluss von mehreren Firmen hervor. Bereits seit 2011 wurden die Jahrebilanzen von Gesellschaften der Gruppe nicht oder nicht rechtzeitig veröffentlicht. Das Bundesamt für Justiz hatte seit Jahren Ordnungsgelder gegen die GPG verhängt, verzichtete darauf aber seit 2017 – ohne Erklärung. Und bereits 2015 hatte das Finanzamt Hannover anscheinend schon gewarnt und den Verdacht auf ein Betrugsmodell geäußert. Die zuständigen Behörden, neben dem Bundesamt für Justiz auch die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hätten aber auch ohne diese Hinweise energischer vorgehen können, früher dem Verdacht nachgehen können, dass es hier nicht mir rechten Dingen zugeht. Haben sie aber nicht.
An der falschen Stelle aktiv
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Das ist es mir wert
- 1Florine Schüschke: Ausverkauft. Die Privatisierung von landeseigenem Grundbesitz in Berlin. In: arch+ 241, Dezember 2020, S. 76-85, hier S. 84. Zum Thema siehe auch weitere Beitrag derselben Ausgabe
- 2Stefan Rettich, Sabine Tastel (Hg.): Die Bodenfrage. Klima, Ökonomie, Gemeinwohl. Jovis Verlag, Berlin, 2020. >>>