© Wüstenrot Stiftung
Kurz nach dem Krieg baute Egon Eiermann für eine katholische Genossenschaft Wohnhäuser im Odenwald. Eines davon ist nun restauriert und vermittelt als Museum einen Eindruck vom Leben der direkten Nachkriegszeit. Aber nicht nur das. Es ist auch ein Zeugnis dafür, dass auch unter widrigsten Umständen und mit geringen Mitteln große Architektur entstehen kann.
Es war ein glücklicher Zufall, der diese zwei Personen zusammengeführt hat. Egon Eiermann war nach Kriegsende (zu Fuß) aus Berlin nach Buchen geflüchtet, die Heimat seines Vaters. Buchen liegt im Odenwald, gehört zu Nordbaden. Eiermann trifft dort auf den Pfarrer Heinrich Magnani, einen tatkräftigen und durchsetztungsfähigen Mann, der das Elend der Vertriebenen beheben will. Um die 19.000 der aus den verlorenen Ostgebieten Geflohenen hatte der Landkreis Buchen aufzunehmen, das etwa 1500 Einwohner zählende Hettingen allein hatte 500 unterzubringen. Die Not war zu greifen, Abhilfe nicht leicht zu organisieren. Magnani gründet eine Genossenschaft, sucht nach Möglichkeiten, die Arbeitskraft der Menschen für den Bau einzusetzen, den Baugrund ringt er den Bauern im Tausch gegen Pfarräcker am Ortsrand ab. Dabei hatte Magnani immer die Vorstellung einer würdigen Behausung vor Augen.Gut erhalten, großartig restauriert
Schon das Äußere fällt durch seine durchdachte Organisation und angenehme Raumaufteilung auf. Eine Rampe erlaubte es, das Haus am Hang auch mit einer Karre zu erreichen. Das Dach eines dem Haus vorgesetzter Schuppen wird so weit vorgezogen, dass es ein überdachter Vorbereich vor dem Hauseingang entsteht. Weil die beiden Häuser des Doppelhauses leicht gegeneinander versetzt sind, kann ein kleiner von der Küche aus zugänglicher Wirtschaftshof realisiert werden, der heute eine wunderbar ruhige, kontemplative Stille ausstrahlt. Zur anderen Seite hin ist ein vom Wohnraum aus zugänglicher Garten angelegt, der als Wirtschaftsgarten in den Zeiten der Not und des Mangels eine wichtige Funktion erfüllte. Die Natursteinplatten vor dem Hauseingang werden auch in der Diele des Erdgeschosses verlegt, um das Innere und das Äußere miteinander zu verbinden.
Im Innnern: betörende Stimmung
Oben finden sich ein Bad und drei kleine Schlafzimmer, zwischen zweien von ihnen ein Schrankraum. Unwillkürlich teilt sich mit, mit welcher Sorgfalt sich Eiermann nicht nur der materialsparenden Ausführung sondern auch mit den Raumproportionen und dem Licht auseinandergesetzt hat. Am Eröffnungstag, einem sonnigen Sommermorgen, verströmen die Räume eine geradezu betörende Stimmung. Die in Farben und Material soweit möglich wieder hergerichteten Räume sind durch eine glücklicherweise zurückhaltende Ausstellung ergänzt. Sie vermitteln nicht nur Wissen über den Bau der kleinen Siedlung, der dabei zu bewältigenden Schwierigkeiten und die beiden herausragenden Protagonisten, sondern geben auch Einblick in den geschichtlichen Kontext und vermitteln einen Eindruck aus dem Alltagsleben der Nachkriegszeit. Der Weg nach Hettingen lohnt sich.
Eiermann-Magnani-Haus
Adolf-Kolping-Straße 29
74722 Buchen-Hettingen
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Kosten für denkmalgerechte Instandsetzung und Ausstellung:
ca. 500.000 Euro (85% Wüstenrot Stiftung, 15% Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e.V. sowie staatliche und private Fördermittel)
Denkmalgerechte Instandsetzung:
Wüstenrot Stiftung
Ausstellung:
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Betreiber/Eigentümer: Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e.V.
Öffnungszeiten:
November bis April: 1. Sonntag im Monat 14 bis 17 Uhr
Mai bis Oktober: Sonn- und Feiertage 14 bis 17 Uhr, mittwochs 17 bis 19.30 Uhr
Gruppen und Schulklassen auch nach Vereinbarung
Katalog: 144 Seiten; Preis 12 Euro
Information und Anmeldung:
Hans-Eberhard Müller, Tel.: 06281/2443
Karl Mackert, Tel.: 06281/3037
Städtisches Verkehrsamt, Tel: 06281/2780