Vor diesem Hintergrund wurden zahlreiche bauliche Varianten entwickelt und berechnet. Fünf davon, A bis E, wurden für den Betrieb als tragfähig und baulich als realisierbar bewertet und dargestellt. Dem Stadtrat empfahl die Stabsstelle, für die Umsetzung von Variante E, die mit 426 Millionen Euro günstigste Lösung, zu stimmen: Neubau von Oper und Schauspiel in Modulbauweise integriert die historischen Hallen der Theaterwerkstätten in Beuel.
Die Varianten im Kostenvergleich; solche Grafiken visualisieren auch spekulative Annahmen, denn welche Faktoren in mögliche Kostenentwicklungen einfließen und sich wie entwickeln, ist in hohem Maße unsicher. Baukulturelle Aspekte sind allerdings nicht Gegenstand dieser Kalkulationen. (Bild: Copyright: ARGE Dreso & dbp)
Die Varianten im Kostenvergleich; solche Grafiken visualisieren auch spekulative Annahmen, denn welche Faktoren in mögliche Kostenentwicklungen einfließen und sich wie entwickeln, ist in hohem Maße unsicher. Baukulturelle Aspekte sind allerdings nicht Gegenstand dieser Kalkulationen. (Bild: Copyright: ARGE Dreso & dbp)
Entwickelt wurden fünf Lösungswege: Variante A: Sanierung der bisherigen Standorte inklusive Interimsbau (665 Millionen Euro) Variante B: Neubau der Oper an selber Stelle inklusive Interimsbau, Sanierung Schauspielhaus (734 Millionen Euro) Variante C: Neubau der Oper an selber Stelle in Modulbauweise inklusive Interimsbau, Sanierung Schauspielhaus (464 Millionen Euro) Variante D: Neubau der Oper in Modulbauweise in Beuel, Sanierung Schauspielhaus (445 Millionen Euro) Empfohlen wird Variante E: Neubau von Oper und Schauspiel in Modulbauweise in Beuel (426 Millionen Euro) (Copyright: dbp dasbauprojekt GmbH)
Entwickelt wurden fünf Lösungswege: Variante A: Sanierung der bisherigen Standorte inklusive Interimsbau (665 Millionen Euro) Variante B: Neubau der Oper an selber Stelle inklusive Interimsbau, Sanierung Schauspielhaus (734 Millionen Euro) Variante C: Neubau der Oper an selber Stelle in Modulbauweise inklusive Interimsbau, Sanierung Schauspielhaus (464 Millionen Euro) Variante D: Neubau der Oper in Modulbauweise in Beuel, Sanierung Schauspielhaus (445 Millionen Euro) Empfohlen wird Variante E: Neubau von Oper und Schauspiel in Modulbauweise in Beuel (426 Millionen Euro) (Copyright: dbp dasbauprojekt GmbH)
Trotz des immensen Handlungsdrucks gab der Kulturausschuss Anfang Mai kein Votum ab, entsprechend wurde der Grundsatzbeschluss im Stadtrat vertagt, es wird wohl Herbst werden.
Doch es geht bei diesem Grundsatzbeschluss nicht nur um den Status Quo, um schöne Häuser und graue Energie. Der Konsolidierungshaushalt zwingt Bonn zur „Kulturinventur: Was brauchen wir, was kann weg“, so Dezernentin Schneider-Bönninger in einem Gespräch mit Bürger*innen. Und das bedeutet bei der Betrachtung des Theaters, dass hier nicht nur Haus gegen Haus steht, sondern auch Haus gegen Programm und Institution. (Lassen wir die anderen Baustellen des Dezernats für Sport und Kultur hier einmal außen vor.)
Bestand und Zustand
Die Oper Bonn, damals noch "Stadttheater", Mitte der 1960er Jahre. Die stadträumliche Einbettung – Gartenarchitekt war Wolfgang Darius – war sorgfältig durchgeplant. Heute ist die Umgebung ein Verkehrsschlachtfeld. Die Abbildung stammt aus dem Band "Bauen im Bonner Raum 1949-1969", hrsg. im Auftrag des Landschaftsverbands Rheinland.
Die Oper Bonn, damals noch "Stadttheater", Mitte der 1960er Jahre. Die stadträumliche Einbettung – Gartenarchitekt war Wolfgang Darius – war sorgfältig durchgeplant. Heute ist die Umgebung ein Verkehrsschlachtfeld. Die Abbildung stammt aus dem Band "Bauen im Bonner Raum 1949-1969", hrsg. im Auftrag des Landschaftsverbands Rheinland.
Opernhaus Bonn, das in "Variante E" zum Abriss vorgesehen ist. 1965 wurde der von Beck-Erlang und Gessler entworfene Bau eröffnet. (Bild: Uta Winterhager)
Opernhaus Bonn, das in "Variante E" zum Abriss vorgesehen ist. 1965 wurde der von Beck-Erlang und Gessler entworfene Bau eröffnet. (Bild: Uta Winterhager)
Das Schauspielhaus in Bonn-Bad Godesberg wurde in den 1950er Jahren von Ernst Huhn als "Stadttheater" gebaut und bis 2018 als "Kammerspiele" bezeichnet. (Bild: Wikicommons, Sir James)
Das Schauspielhaus in Bonn-Bad Godesberg wurde in den 1950er Jahren von Ernst Huhn als "Stadttheater" gebaut und bis 2018 als "Kammerspiele" bezeichnet. (Bild: Wikicommons, Sir James)
Das Gelände "Jutespinnerei" in Bonn-Beuel, Luftbild von 2017 (Bild: Wiki commons, Wolkenkratzer)
Das Gelände "Jutespinnerei" in Bonn-Beuel, Luftbild von 2017 (Bild: Wiki commons, Wolkenkratzer)
Die Debatte
Nüchtern betrachtet kann sich die Stadt keine der vorgeschlagenen Lösungen leisten, das Geld ist schlichtweg nicht da. Noch nüchterner betrachtet kann sich die Stadt, wie alle Städte und Kommunen nichts mehr leisten. Mit einem Defizit von über 30 Milliarden Euro 2025 „stehen die Städte,“ so der Präsident des Deutschen Städtetags Burkhard Jung im Deutschlandfunk, „an der Grenze dessen, was wir Gestaltung nennen“. Das Schöne an Kultur ist jedoch, dass sie Gestaltungsspielräume bietet. Dass sie Nischen nutzen, Brücken bauen und aus wenig viel machen kann. Nun ist sie als öffentliche Institution aber schwer beladen mit ihren großen Häusern, mit hohen Ansprüchen an Darbietung und Technik, aber auch mit Verantwortung für die Menschen, die davon leben. Dieser Moment des Aushaltens anstelle der übereilten Abstimmung ist immens wichtig, denn er bietet eine Chance, das neu zu definieren, was uns als Gesellschaft zum Sprechen und Zuhören bringt, zum Darstellen und Erleben. Welchen Raum die Kultur in Zukunft einnehmen darf, wie sie in der Stadt verortet werden soll und was sie uns kosten darf, ist Teil dieser wichtigen gesellschaftlichen Positionsbestimmung. Dabei wird auch herauskommen, dass das Theater Ballast abwerfen muss, um nicht unterzugehen. Dass Architektur ganz andere Qualitäten erzeugen muss und das Bauen im und mit Bestand heute die höchste Kunst ist.